Unbegrenzter Urlaub klingt erst einmal sehr schön – ist aber gar nicht so einfach, wie sich in der Praxis zeigt. Wie es doch klappt, verraten wir euch an anderer Stelle umfassend. Genauso spannend ist aber ein Blick auf all die Unternehmen, die das Konzept wenigstens schon einmal ausprobiert haben – und teilweise bis heute etabliert haben:

Buffer

Das US-amerikanische Unternehmen stellt Social-Media-Distributions- und -Analysetools her. Man könnte Buffer durchaus als das transparenteste Start-up der Welt bezeichnen, und so offen wie man mit Gehältern umgeht, so flexibel zeigt sich die Firma beim Urlaub. Jeder darf so viel nehmen, wie man will. Damit die Mitarbeiter aber auch wirklich genügend Auszeiten nehmen, gibt es einen 1000-Dollar-Bonus für alle, die mindestens eine Woche in den Urlaub fahren. Außerdem sind sich die Chefs ihrer Vorbildrolle bewusst und verlassen auch einmal für ein paar Wochen das Büro.

Elbdudler

Die Agentur mit Sitz in Hamburg macht so vieles anders als andere deutsche Unternehmen: Arbeitsverträge sind kein Muss, Hierarchien existieren praktisch nicht. Daher ist auch die Urlaubsregelung flexibel. Geschäftsführer Julian Vester sagt gegenüber dem Magazin t3n: „Wer wegfahren will, kann das jederzeit tun.“ Es gebe zwar Limits, was für die Firma finanziell tragbar sei, aber ansonsten gelte die einfache Regel: Wie Gehalt und Arbeitszeiten auch müsse der Urlaub im und mit dem Team abgesprochen werden.

Evernote

Wie Buffer auch bietet das Unternehmen hinter der beliebten Notizen-App jedem Mitarbeiter 1000 Dollar Bonus, wenn am Ende des Jahres mindestens fünf Tage Urlaub genommen wurden. Alles, was darüber hinausgeht, wird nicht gezählt. Das heißt: Eine maximale Anzahl an Urlaubstagen gibt es nicht – die Mitarbeiter bei Evernote dürfen sich so oft frei nehmen, wie sie wollen.

General Electric

General Electric (GE) zeigt, dass unbegrenzter bzw. flexibler Urlaub nicht nur Start-ups vorbehalten ist. Immerhin existiert das Unternehmen schon seit 1892. Allerdings gelte die neue Vorgabe nur für etwa 30.000 Angestellte auf höheren Management-Ebenen – trotzdem immerhin 43 Prozent der Angestellten in den USA. Wie eine Sprecherin gegenüber CNN sagte, sei das Konzept Teil eines größeren kulturellen Wandels, mit dem GE anerkennt, dass das Unternehmen erfolgreicher ist, wenn es den eigenen Mitarbeitern vertraut und sie stärkt.

Kickstarter

Kickstarter ist eines der berühmtesten Beispiele für ein Unternehmen, bei dem das mit dem unbegrenzten Urlaub nicht so ganz geklappt hat. 2015 beendete die Firma aus New York ein entsprechendes Programm. Die Begründung gegenüber Buzzfeed: Man wolle den Mitarbeitern mit einer festgelegten Zahl an Urlaubstagen ein besseres Gefühl dafür vermitteln, wie viel Auszeit sinnvoll ist – ein Hinweis darauf, dass die Mitarbeiter vorher trotz unbegrenztem zu wenig Urlaub genommen haben.

Mammoth

CEO Nathan Christensen hat bei seiner Personalberatung zunächst ein Jahr lang ausprobiert, ob und wie ein unbegrenzter Urlaub für die Mitarbeiter funktionieren kann. Am Ende führt er das Konzept weiter – hat aber fünf Regeln definiert, ohne die es seiner Meinung nach nicht gehen kann. Ganz oben: Nennt es nicht „unbegrenzt“, sondern lieber „flexibel“ oder „selbstbestimmt“.

Myhotelshop

Die Leipziger B2B-Plattform, die inzwischen zum Großteil Trivago gehört, hat ebenfalls feste Urlaubstage abgeschafft. Im Interview mit Gründerszene sagt Geschäftsführer Ullrich Kastner, dass man keine Angst vor Missbrauch habe, weil man ja keine Couch Potatoes einstelle, sondern engagierte Menschen, die sich verwirklichen wollen. „Und falls das neue System zu Missbrauch führt, schaffen wir es einfach wieder ab.“

Netflix

2004 kommt ein Mitarbeiter in das Büro von Netflix-CEO Reed Hastings und fragt: Unsere Arbeitszeiten werden nicht erfasst, wieso dann aber unsere Urlaubstage? Der Chef wusste keine Antwort darauf – und schaffte die Vorschriften zu Urlaub und Auszeit schlicht ab. Heute ist es in der Kultur des Streamingdienstes so definiert: „Unsere Urlaubspolitik ist: Nimm dir Urlaub.“ Regeln gebe es nicht, dafür gehen die Chefs mit gutem Beispiel voran – und kommen aus ihrem Urlaub immer mit neuen Ideen wieder.

The Motley Fool

Auch die Börsenberater von Motley Fool sagen: Nimm dir so viel Auszeit, wie du brauchst. Allerdings hat sich das Unternehmen einen besonderen Anreiz überlegt, wie man Mitarbeiter auch einmal länger in den Urlaub schicken kann: Monatlich wird einer von ihnen über eine Verlosung bestimmt. Diese Person hat dann einen Monat Zeit, eine zweiwöchige Auszeit zu planen und anzutreten. So könne sich das Team auch daran probieren, wenn plötzlich Mitarbeiter ausfallen.

Tribune Publishing (inzwischen tronc)

Das altehrwürdige Verlagshaus aus den USA, das in seinen Ursprüngen schon 170 Jahre alt ist, hatte auch einmal unbegrenzten Urlaub für seine Mitarbeiter – für etwas mehr als eine Woche. Nach der Ankündigung sei es aber zu Verwirrung und Bedenken aufseiten der Mitarbeiter gekommen. So zumindest die Lesart eines internen Memos.

Virgin

Der britische Milliardär Richard Branson gilt nicht nur als erfolgreicher Unternehmer, sondern auch als Philanthrop. Den Mitarbeitern seiner Virgin-Gruppe gönnt er auch unbegrenzten Urlaub. Allerdings offenbart sein Blogpost, mit dem er den Schritt ankündigt, auch ein grundsätzliches Problem der Strategie: Die Mitarbeiter sollten nur dann Urlaub machen, wenn die Arbeit auch wirklich erledigt ist – oder zumindest dafür gesorgt ist, dass sie gemacht wird. Und wann ist das schon jemals der Fall?

 

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